BücherDepris to go
Kurt Krömer Depressionen Buch

Depris to go

Voll weggesuchtet. Kurt Krömers Buch über seine Depressionen ist toll und unterhaltsam. Bemerkenswert, wie man sich so leicht einem so schweren Thema nähern kann, aber vielleicht geht das erst, wenn man selbst bis zum Hals drinsteckt. Vielleicht ist es auch erst dann leicht, wenn man den schwersten Teil bereits hinter sich hat. 

Wir gucken in einen Teil vom Kurt Krömers Leben, der eigentlich Alex heißt und im Mittelteil des Buches acht Wochen lang jeden Tag mit der Bahn durch Berlin in die Klinik fährt, um seine schweren Depressionen in den Griff zu bekommen. Zwischendurch zeichnet er eine Show auf. Und dann sind da noch die Kinder, Alex ist nämlich alleinerziehend mit vier Kindern. Außerdem hat er – im Nachhinein betrachtet – wahrscheinlich schon leichte Depressionen, seit er Jugendlicher ist.

Erfolgreich, alleinerziehend, am Anschlag.

Das gelinde gesagt spaßbefreite Elternhaus wird nur am Rande erwähnt, viel mehr haben mich aber die Erzählungen des Vaters Alex ergriffen, der unglaublich perfekt sein will und lernen muss bzw. darf, dass Kinder auf perfekt nun wirklich null Wert legen. Davon abgesehen habe ich selbst gelernt, dass Depressive nicht lachen, was mich schockiert hat, ich hatte mir das komplett anders vorgestellt, eben wie ganz oft schlechte Laune, nur in Scheiße. Überhaupt habe ich zum ersten Mal wirklich eine Ahnung davon erhalten, was es heißt depressiv zu sein, und dafür bin ich dem Buch echt dankbar. Ich war ein Idiot. Gut, dass ich nie wissentlich mit einem Depressiven gesprochen habe. 

Unweigerlich habe ich depressive Tendenzen bei mir selbst gesucht, aber keine gefunden, was nicht verwunderlich ist. Ich bin die mit dem spaßigen Elternhaus und der Bilderbuchkindheit, die allen eher mit einem bunten Blumenstrauß diverser Stimmungen auf den Zeiger geht, nur nicht mit depressiven. Dabei fällt mir gerade auf, dass es das Gegenteil von depressiv gar nicht gibt, oder? Wie deprimierend ist das eigentlich? 

Unglaublich mutig und auch ein bisschen edel finde ich das Gesamtkonzept „Kurt Krömer hat Depressionen“.

Denn ein Komiker, der sich öffentlich in Talkshows zu seinen Depressionen bekennt und im Buch ständig halb am Heulen ist, ist ein lebender Beweis dafür, dass es die Besten von uns treffen kann. Dass Menschen, die oben angekommen sind, leider nicht automatisch das Stimmungshoch für sich gepachtet haben. Seine Transformation in einen Geheilten zeigt aber auch, dass geheilte Künstler noch Künstler sind. Dass Väter wieder Väter sein können. Dass das, was wir von außen sehen, nur die Spitze unseres eigenen Seelen-Eisbergs ist. Alleine das finde ich unglaublich befreiend. 

Nahezu lustig und total bewegend.

Krömers Weg aus der schweren Depression zurück in ein emotional ausgewogenes Leben mit Pausen, Urlauben, Freunden, lackierten Fingernägeln und nicht perfekten Geburtstagstorten ist total bewegend, ohne blöde belehrend rüberzukommen. Er stellt am Anfang des Buches klar, dass er helfen möchte, aber kein Fachmann ist. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich gefühlt zehn Minuten das Bild über der Autorenbeschreibung angestarrt und wollte den Menschen darauf ernsthaft umarmen.

Kurt Krömer Depressionen Buch

Großer Lesetipp!

Wahrscheinlich geht es allen beim Lesen dieses wirklich kurzweiligen und smart schnodderigen Buches so, dass sie den depressiven Teil in sich suchen. Oder dass sie ihn finden. Oder dass sie ihn schon gefunden haben und dieses Buch ihnen einen Weg aus den Depressionen zeigt. Wenn nur eine:r von ihnen das Buch zuklappt und einen winzigen Schritt Richtung U-Bahn zur Klinik macht, ist es ein richtig gutes Buch. Und ich bin mir sicher, dass es das ist. Sehr zu empfehlen!

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